Morning Assembly – Nutzt eure Chance!

Es ist 8 Uhr morgens. Über den Hof in Jahaly läutet die Glocke von Mrs. Fatty, der Schulleiterin.

Die Kinder sitzen schon in den Klassenräumen und springen wieder auf, um sich zur „Assembly“ auf dem Schulhof zu versammeln. Die Lehrer haben Mühe, Ordnung in die Reihen zu bringen. Die Kleinen zuerst, die Großen dahinter. Aus allen Klassen stellen sich die Kinder in Reihen auf dem Hof auf. Es ist jetzt schon sehr heiß und die Kinder sind noch müde. Zuerst wird gebetet. Auf arabisch. Die Kinder falten die Hände und sagen die Gebetszeilen wie ein Mantra auf.

Der Lehrer für Arabisch und Islamische Religion geht durch die Reihen und inspiziert genaustens die Köpfe der Kleinen in ihren zu großen rosa-weißen Schuluniformen. Die Köpfe der Jungs sollen glatt geschoren und die Haare der Mädchen zu engen Zöpfen geflochten sein. Der Lehrer zieht die Jungen mit zu langen Haaren aus den Reihen und stellt sie nach vorne auf die Treppenstufen. Sie werden ermahnt und Mrs. Fatty verspricht, sie nächstes Mal nach Hause zu schicken. Doch das passiert nicht wirklich. Sie sollten sich aber doch bitte merken, dass zum Anfang der Woche die Haare frisch rasiert sein sollen. Kurze Haare bedeuten einfachere Pflege, bessere Hygiene und weniger Wasserverbrauch. Wer nicht grade steht und wer kichert, wird ermahnt. Spaß gibt es jede Menge im Jahaly Madina Kindergarten, aber jetzt muss genau zugehört werden.

Wie im Unterricht sprechen die Lehrer auch jetzt nur Englisch mit den Kindern. Sie werden begrüßt und gefragt welcher Tag heute ist. Durcheinander werden alle Wochentage mit fester Überzeugung gerufen. Nachdem sich alle auf Montag geeinigt haben, erhebt sich Mrs. Fatty von ihrem Holzstuhl. Unter ihrem bunten Gewand prangt ihr hochschwangerer Bauch. Sie stützt sich am Stuhl ab und spricht zu den Kindern.

Am Wochenende gab es einen Unfall auf dem Transgambian Highway. Ein Mädchen wurde fast überfahren, weil sie ohne nachzudenken über die Straße gelaufen ist. Die Kinder sollen lernen zu schauen, dass keine Kutsche, kein Lastwagen und kein anderes Auto kommt, wenn sie die einzige Straße im Dorf überqueren. Dafür wurde extra der Zebrastreifen auf den Highway gepinselt. Damit es auch alle verstehen, wiederholt Mrs. Fatty die Ansprache noch einmal auf Serahule.

Dann spricht sie noch über den Baobab Tree auf dem Schulhof. Es sei nicht mehr erlaubt, die Früchte von hoch oben in den Zweigen mit Stöcken runterzuziehen. Die Schale der Baobab Früchte ist hart und kann die Kinder verletzen, wenn sie vom Baum fällt. Ein paar Jungs kichern und werden sofort mit einem Klaps auf den Hinterkopf ermahnt. Das sei nicht lustig, sagt Mrs. Fatty streng. Genau wie der Gebrauch von Wasser! Die Leitung in der Schule sei zum Hände waschen vor und nach dem Essen vorgesehen. In Jahaly ist das besonders wichtig, weil alle Kinder ihren Reis mit den Händen essen.
„Das Wasser ist nicht zum Spielen da! Wenn ich doch jemanden dabei erwische, wie er andere nass macht oder das Wasser laufen lässt, der bekommt kein Mitagessen!“ Diese Warnung lässt sie einen Moment auf die Kinder wirken.
Dann erklärt sie mit einer weichen Stimme, was für ein Glück die Kinder haben, in Jahaly zur Schule gehen zu können. Viele Kinder in Gambia haben kein Wasser. Sie sollen schätzen, was sie für einen Luxus genießen. Eine warme Mahlzeit am Tag zu bekommen. Zur Schule gehen zu dürfen. Bildung zu bekommen. „Viele Kinder warten auf einen Platz wie ihr ihn habt. Wenn ihr keine Lust habt, dann geht! Dann wird hier nächsten Montag jemand anderes an eurem Platz stehen und ihr werdet bald auf den Reisfeldern arbeiten“. Alle Kinder hören andächtig zu. Sie scheinen zu verstehen, in was für einer glücklichen und für Jahaly und die umliegenden Dörfer unüblichen Lage sie sich befinden.

Anschließend wird die Schulhymne gesungen. Dazu gibt es Handbewegungen und eine Art Tanz, den alle mittanzen. Der Text scheint nicht allen ganz schlüssig zu sein. Er enthält Metaphern wie „the bell of knowledge ringing sweetly“. Bei der Zeile „Welcome to Jahaly Madina Kindergarten!“ singen dann aber alle wieder lauthals mit. Danach singen noch alle zusammen die gambische Nationalhymne. Alle kennen sie auswendig und singen und klatschen mit. Manche Kinder schließen die Augen.

For the Gambia, our homeland, we strive and work and pray.

That all may live in unity, freedom and peace each day.

Let justice guide our actions to work man’s common good,

and join our diverse peoples, to prove man’s brotherhood.

We pledge our firm allegiance, our promise we renew.

Keep us, great God of nations,

to the Gambia ever true.

Advertisements

Einmal um die Welt

„Welche Länder in Afrika außer Gambia kennt ihr noch?“ – „Senegal!“, ist die einzige Antwort, die die Kinder im Jahaly Madina Kindergarten mir geben können. Ein Mädchen sagt stolz „Kombo“, was allerdings eine Stadt ist und zwar über die Grenzen Jahalys hinausgeht aber immer noch in Gambia liegt. Verübeln kann man es ihnen nicht, denn sie leben in einem kleinen Dorf im kleinsten (Fest-)Land Afrikas. „Welche anderen Länder auf der Welt kennt ihr noch?“ – „Germany!“ schreien dann alle im Chor. Das ist wohl den deutschen Freiwilligen zuzuschreiben, die immer mal wieder in der Schule aushelfen.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nehme ich es mir zur Aufgabe, ihren globalen Horizont zu erweitern. Fußballspielen lieben sie alle und Ronaldo kennen sie auch. Aber von einer Weltmeisterschaft, bei der die besten Spieler aus der ganzen Welt gegeneinander Fußball spielen, davon haben zumindest die Kleinen noch nie gehört. Anders als die Kinder in der Hauptstadt haben sie im Dorf keinen Zugang zum Fernsehprogramm und wenn die Lehrer und alle, die auf dem Campus wohnen abends auf einem der zwei Fernseher der „Buschklinik“ die Spiele gucken, sind sie schon zu Hause in ihren Hütten.

Ich mache es mir also zur Begeisterung der Lehrer und, wie sich später herausstellen wird, auch der Schüler zum Projekt, mit den Klassen einige Flaggen der Länder zu malen, die an der WM teilnehmen. Sie sollen also in den nächsten Tagen die afrikanischen Länder Kamerun, Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und außerdem Argentinien, Spanien, Frankreich, Deutschland und Brasilien mit Fingerfarben zu Papier bringen.

Das Malen macht ihnen großen Spaß und nach einer ausführlichen Einleitung angefangen bei der gambische Flagge, die sie alle kennen über die Länder außerhalb Afrikas und die WM scheinen sie wirklich zu verstehen, was sie dort machen. Noch Wochen nach der Mal-Aktion laufen sie zu der Bühne, auf der alle Flaggen an der Wand hängen und erinnern sich: „Teacher, look! That is Spain! I did that!“.

Nur warum Gambia nicht an der Weltmeisterschaft teilnimmt, das verstehen sie nicht. Der 6-jährige Ebrima nimmt sich vor, das zu ändern, wenn er groß ist.

Der Mangogarten

Die Seele ist glücklich, wenn alle Sinne genießen.

Ich höre Stille. Nein, ganz still ist es nicht. Ich höre Vögel zwitschern und das entfernte Geschrei von Affen, die sich nicht blicken lassen. Ich höre eine Machete gegen Bäume schlagen und klappernde Pferdehufe auf dem Transgambian Highway. Ich höre den Wind in den Blättern rauschen und die Fliegen und Mücken summen.

Ich bin an einem der friedlichsten Orte in Jahaly – Im Mango Garten.
Ich schließe die Augen und nehme wahr.

Ich rieche brennendes Feuerholz, das an ein Lagerfeuer erinnert. Dazu der Geruch der glühenden Holzkohle für den Tee, der getrockneten Teeblätter und des süßen Dampfes, der aus der Kanne kommt, in dem Atayaa kocht. Dazwischen bahnt sich der Geruch der süßen, reifen Mangos.

Ich fühle den Wind auf meiner Haut, den angenehm kühlen Schatten unter den Zweigen der Mangobäume, das weiche Moos zwischen meinen Fingern und den Staub unter meinen Füßen.

Ich öffne die Augen und sehe die großen Palmenblätter von Bananenpflanzen und die verzweigten Äste der Mangobäume, die ein schattiges Dach über dem grünen Moosboden bilden. Die Sonne blinzelt zwischen den Ästen und grünen Blättern hindurch. An den Stauden hängen kleine, grüne Bananen und von den Zweigen herab hängen unzählige Mangos. Große und kleine, grüne, gelbe und rote. Auf der Lichtung neben einem der Baumstämme sehe ich Männer auf gelben Wasserkanistern sitzen. Sie kochen Tee in einer kleinen blauen Teekanne über der Feuerstelle. Sie sprechen Mandinka und verstehen augenscheinlich kein Englisch. Wahrscheinlich auch nicht den Spruch, der auf dem dreckigen, einmal gelb gewesenen, ausgewaschenen T-Shirt steht, das einer der Männer trägt. Save Water, Drink Tequila. Außerdem trägt er eine Wasserflasche bei sich, die in einem Netz um seine Hüfte gebunden ist. In der Gabelung eines Baumstammes sind Kanister, Schuhe und Säcke verstaut.

Der Mango Garten ist eine riesige Plantage, die aufgeteilt ist in mehrere Bereiche, die verschiedenen Familien gehören. Sie verkaufen ihre frischen Mangos am Straßenrand, lassen aber auch gerne Besucher in ihr Reich, laden sie dann zum Teetrinken ein und klettern auf die Bäume, um ihnen eine Kostprobe ihrer goldenen Früchte zu geben.

Ringsherum liegen kleine Tümpel mit rosa Seelilien, auf den Wiesen grasen Kühe und in den Bäumen sitzen blau und lila schimmernde Vögel. Der Mann mit dem gelben T-Shirt gießt den Atayaa kunstvoll in hohem Strahl in die kleinen Gläser ein und kommt auf mich zu. Er hält mir das Glas mit dem schwarzen Tee hin und lächelt. Dann schneidet er eine gelbe Mango auf und reicht mir auch davon ein Stück. Weich und süß zergeht sie auf der Zunge. Der Tee ist heiß und noch süßer als die Mango. Er spricht auf Mandinka. Ich verstehe ihn nicht. „Abaraka“ sage ich, um mich zu bedanken. Dann strahlt er. Setzt sich zurück auf seinen gelben Plastikeimer und trinkt lächelnd seinen Tee.

So lässt sich wohl das Gefühl der Glückseligkeit beschreiben.

Der Regen kommt

Seit mehreren Wochen zeigt das Thermometer schon 40 Grad an. Es ist so heiß in Jahaly, dass man vergessen kann, wie sich Regen anfühlt. An einem dieser Nachmittage im Mai laufen der kleine Muhamed und seine ältere Schwester Majula aufgeregt über den Hof der Buschklinik. „Rain is coming! Rain is coming!“ schreien die beiden, lachen und springen herum.

In Gambia fängt die Regenzeit Mitte Juni an und dauert einige Wochen, manchmal mehrere Monate.

Wenn man die Veranda betritt, merkt man tatsächlich, dass sich das Wetter geändert hat. Schaut man in den Himmel, blickt man in eine grau-weiße Wolkendecke, die den sonst so blauen Himmel und die brennende Sonne versteckt. Ein immer größer werdender Schatten wandert über das Dorf. Die Luft steht nicht mehr, sie bewegt sich. Erst wehen nur die Zweige der Bäume im Wind und Blätter werden aufgewirbelt, doch dann fängt es an zu stürmen. Der trockene Sand erhebt sich zu einer herumwirbelnden Windhose. Dann ergießt sich schlagartig Regen über den ganzen Hof. Die Palmen stehen schräg im peitschenden Wind und die Türen klappern in ihren Fassungen.

Die rote Erde färbt sich dunkel und die Wiesen saugen sich voll Wasser. Es tropft vom Wellblechdach und die Zwischenräume der Mosaiksteine auf den Wegen, die die Häuser miteinander verbinden, werden geflutet. Der Wind pfeift und rauscht.

Es riecht nach nassem Staub und Wiesen im Sommerregen und die Luft ist angenehm kühl. Nun tropft es nicht mehr von den Dächern, der Regen fließt in Wasserwänden herunter.

Auf dem Hof ist es wie ausgestorben, alle sind in ihre Häuser gelaufen. Nur auf der Straße laufen zügig zwei Frauen vorbei. Der Wind wickelt ihre Turbane um ihre Gesichter, sodass sie nicht mehr zu bändigen sind. Die bunten Tücher peitschen nass im Wind und die Frauen halten ihre Röcke fest. In langen Fäden schüttet es aus den dunklen Wolken.

Die Luft ist angenehm frisch und es wirkt, als würden die Pflanzen sie tief einatmen. Der ganze Staub, die ganze Hitze der vergangenen Monate ist wie weggespült. Die Bäume saugen durch ihre Wurzeln das lang ersehnte Wasser auf und die Blätter scheinen sich der Nässe entgegenzustrecken.

Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, kommen aus einem der Häuser gerannt. Der Junge trägt nur eine Hose. Ihre dünnen Klamotten kleben eng an ihrer Haut. Zusammen mit den Regentropfen springen sie in den Pfützen herum und rennen über die nassen Steine.

Der Himmel ist jetzt komplett grau, aber die grünen Wiesen, die Blätter an den Bäumen und die roten Blüten dazwischen leuchten umso heller. Jedes Einatmen fühlt sich an wie das Leben einzusaugen.

Donnerschläge rollen über den Himmel und eine noch heftigere Flut ergießt sich über das Land. In den Häusern hört man den Regen auf die Wellblechdächer trommeln. Drinnen ist es nun wärmer als draußen, ein ungewohntes Gefühl in Jahaly.

Nach einer Stunde voller Klängen und Geräuschen schwächt der Regenguss ab. Wie ein Schwamm, der ausgewrungen ist; sein ganzes Wasser ergossen hat. Jetzt tropft es nur noch von Ästen und Dächern und die Wolkendecke reißt an einigen Stellen auf. Hellgelb und mild scheint die Sonne hindurch. Zwei Mädchen laufen mit ihren nackten Füßen über die nassen Steine. Über ihren Köpfen halten sie ein blaues Tuch wie ein Segel.

Dann ist es auf einmal ganz still. Nur zwei gelb-schwarze Vögel, die in der Baumkrone sitzen, zwitschern sich munter zu.

Unbenannt

Jahaly – Das Leben im Dorf

Jahaly

Jahaly ist ein Dorf im Landesinneren von Gambia. Da es so weit von der Küste entfernt ist, ist es dort sehr heiß. In den Sommermonaten misst die Mittagshitze zwischen 38 und 40 Grad. Die Bewohner von Jahaly leben in Lehmhütten mit Strohdächern, die in kleinen Wohngemeinschaften angeordnet sind. In einem Compund leben meistens eine oder zwei große Familien zusammen. Es gibt keine Elektrizität und das Wasser wird mit einem Eimer aus Brunnen hochgeholt. Zu jedem Compund gehört eine Koch-Hütte, in denen die Frauen auf einer Feuerstelle zwei Mal täglich in großen Töpfen Essen für die Männer, Frauen und Kinder im Compund kochen. Nicht selten kommt es vor, dass kleine Kinder unbeaufsichtigt herumlaufen und sich an den offenen Feuerstellen schwere Verbrennungen am ganzen Körper zuziehen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Deshalb ist die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“, die hinter dem Health Center und dem Kindergarten im Dorf steht auch dabei, Öfen im Dorf zu errichten.

Außerdem gibt es in Jahaly mehrere Schneider, die ihr Geschäft in einem kleinen Raum haben und meistens mit ihrer alten Nähmaschine am Straßen- oder Wegrand sitzen und Stoffe zu Hosen, Trachten, Kleidern und Kopftüchern zusammennähen. Jeder Schneider hat seine eigenen Preise und Nyima, ein Mädchen aus dem Dorf erklärt mir, 75 Dalasi (weniger als 2€) für das Nähen einer Hose sei ein „Tubab-Preis“. Also viel zu viel. Bei Preisen wird hier stark zwischen Einheimischen und Touristen unterschieden. Tubab ist Wolof für „Weiße“ oder „Weißer“. Läuft man als Weiße durch Jahaly oder andere Dörfer, rufen die Kinder laut „Tubaab! Tubaab!“ und folgen einem meistens längere Zeit. Das mag daran liegen, dass sie nicht oft Weiße sehen, aber auch Weiße als eine Art Spielzeug ansehen. Die Touristen, die mit Süßigkeiten nach Afrika reisen und jedem Kind einen Lolli schenken, bestätigen damit nur noch dieses Klischee in den Köpfen der Kinder, alle Weißen seien reich und fördern diese Gewohnheit der Kinder, hinter Weißen herzulaufen und zu rufen: „Tubab! Give me money“.

Die nächsten Dörfer hinter Jahaly sind Madina und Brikama Ba. Dazwischen liegt viel Natur. Weite Felder, Wiesen, Bäume, Palmen, Reisfelder, Plantagen und auch viele Tiere wie Kühe, Schafe oder Ziegen werden hier gehalten. Was manchmal aussieht wie Land, das verwildert, gehört in Wirklichkeit jemanden. Denn in diesem Bereich Gambias hat jedes Stück Land einen Eigentümer und dürfte nicht einfach so bebaut oder bepflanzt werden.

Brikama Ba

Möchte man von Jahaly in die nächst größere Stadt Brikama Ba fahren, wartet man am besten am Transgambian Highway auf ein „Gele Gele“. Das sind bunt geschmückte, meistens viel zu überfüllte Vans in schlechter Verfassung, die man schon von weitem an ihrem knatternden Motor erkennen kann. 10 Dalasi kostet die Fahrt nach Brikama Ba und es ist jedes Mal ein Erlebnis, diese kleine Reise anzutreten. Auf den neun vorgesehenen Plätzen finden dann auch mal 12 Männer und Frauen mit ihren Säuglingen Platz und es ist nicht selten, dass man auch mal ein Kind, eine Tasche mit Einkäufen oder ein Huhn auf den Schoß gedrückt bekommt. Der Fahrer nimmt jeden mit, der am Wegrand steht und winkt. Manche haben auch Ziegen, Fahrräder oder Reissäcke zu transportieren, die werden dann zusammen auf’s Dach gehievt.

Ein Mal passierte es, dass das Auto auf halber Strecke immer langsamer wurde, ungesunde Geräusche von sich gab und schließlich zum stehen kam. Als ich fragte, ob der Tank leer sei, antwortete der Fahrer Nein nein, der Tank sei voll, aber das Benzin sei mit Wasser gemischt, deswegen würde das Auto manchmal nicht so schnell fahren können. Nach ein paar Versuchen fuhr der Wagen wieder an, holperte ein paar Meter und fuhr dann mit etwa 10 Stundenkilometern weiter. Wir wurden von Eseln und Fahrradfahrern überholt. Neben mir saß ganz entspannt eine Frau, schaute aus dem Fenster und hielt ihr Baby im Arm, das seelenruhig schlief.

Eine Alternative um nach Brikama Ba zu kommen ist Pferde- oder Eselkutschen zu nehmen.
Am Samstag ist „Lumo“ in Brikama Ba, das ist ein Markt, zu dem Händler von weit her kommen. Dadurch gibt es ein größeres Angebot und es ist dementsprechend auch mehr los. Der Lumo ist wirklich ein Erlebnis. Es gibt riesige Berge von Mangos, bunte Stoffe und Maiskolben vom Grill, und zum Frühstück frisches Tappalappa, das ist baguetteähnliches Brot. Verlässt man den Transgambian Highway und taucht weiter ins Zentrum des Markts ein, stößt man auf einen großen Platz, auf dem eine überdachte Hütte neben der anderen steht und vor jeder davon kocht in großen Töpfen Fleisch und Reis. Dort habe ich auch zum ersten Mal Herz gegessen. Es war ein Schafsherz und hat überraschend gut geschmeckt.

Jedoch gibt es auf dem Markt auch viel Müll, der auf dem Boden herumliegt oder verbrannt wird, da es in Gambia kein funktionierendes Recyclingsystem gibt. In einigen Gassen stinkt es nach verbranntem Plastik. In der Nähe von Manjai Kunda an der Küste gibt es eine mehrere Hektar große Müllverbrennungsanlage, die bestialisch stinkt, wenn man daran vorbei fährt.
Ein eher gewöhnungsbedürftiger Anblick auf dem Markt ist auch der Verkauf von Fisch und Fleisch. Ungekühlt liegen die getrockneten oder auch frischen Fische auf Wellblechen oder Decken inmitten von Fliegen und Abfall und das Fleisch hängt an Metallhaken herum, bis es verkauft wird. Zum Schneiden von allem möglichen wird das gleiche Messer benutzt und man transportiert den Fisch dann einfach in einer Plastiktüte nach Hause.

Atayaa – Die Kultur des Brauens

Das Brauen von schwarzem Tee, eigentlich „China Green Tea“, ist in Westafrika sehr verbreitet. Doch nicht nur das Trinken von Atayaa, dem gesüßten heißen Tee, sondern viel mehr die Prozedur des Brauens und das Zusammensitzen dabei ist auch in Gambia ein fester Bestandteil der Kultur. Da Gambia ein muslimisches Land ist, trinkt kaum einer Alkohol. Atayaa fehlt jedoch bei keinem feierlichen Anlass. Abends aber auch einfach mittags, wenn man zusammensitzt wird der heiße Tee aus kleinen Gläsern genossen. Er soll gegen die Hitze helfen.

Was so schön an dieser Kultur des Brauens ist, dass sie ein Bestandteil der Gastfreundschaft ist, auf die in Gambia großen Wert gelegt wird. Sitzt man irgendwo, wo gerade eine Gruppe von Männern zusammensitzt und braut, wird man meistens gefragt, ob man Atayaa trinkt und bekommt ein Glas angeboten. Erstaunlicherweise schmeckt wirklich jeder Atayaa anders, weil jeder die Prozedur des Brauens und die Menge des Zuckers variiert.

Die getrockneten Teeblätter kann man verpackt in jedem Shop kaufen, auf der Packung steht „China Green Tea“, obwohl der Tee schwarz aussieht und auch nach schwarzem Tee schmeckt. Auf einem Stövchen mit glühender Holzkohle werden 3 kleine Gläser voll Wasser in einer bunten Metallkanne zum Kochen gebracht und die Teeblätter hinzugegeben. Kocht der Tee eine Weile, wird eins der kleinen Gläser voll Zucker in die Kanne gegeben. Über die Menge des Zuckers hat jeder eine andere Meinung, aber die meisten nehmen sehr viel, da der Tee sonst sehr bitter schmeckt. So köchelt der Tee jetzt noch 3 bis 4 Minuten weiter, bis man ihn zum Abkühlen von der Kohle nehmen kann.

Dann beginnt die eigentliche Prozedur: Der Teebrauer nimmt die Kanne mit dem immer noch sehr heißen Tee und gießt ihn in eines der beiden Gläser ein. Dabei hält er die Kanne sehr hoch, sodass der Tee in einem langen Strahl ins Glas fließt. Dann schüttet er ihn vom Glas wieder zurück in die Kanne. Und wieder zurück ins Glas in einem langen Strahl. Und so geht es mehrere Male hin und her, damit sich der Zucker mit dem Tee gut vermischt. Als nächstes wird das Gebräu von einem Glas ins andere geschüttet, ebenfalls von weit oben. Hat man viel Übung geht auch eigentlich fast nie etwas daneben. Für Anfänger ist das Treffen der kleinen Gläser aus der Höhe nicht so einfach. Beim Hin- und Herschütten von einem Glas ins andere kühlt der Tee ein bisschen ab und bildet den erwünschten Schaum. Je länger man schüttet, desto mehr Schaum entsteht im Glas. Mit einer schnellen Geschicklichkeit aber auch mit einer Ruhe schüttet derjenige, der braut weiter hin und her als könnte er ewig so weiter machen.

Bevor der Tee dann jedoch endlich getrunken wird, wird er nochmal zurück auf die glühenden Kohlen gestellt um wieder heiß zu werden und die vom Zucker klebrigen Gläser werden gewaschen. Ganz wichtig: Nur von außen. Der mühsam produzierte Schaum soll dabei in den Gläsern bleiben. Serviert der Brauer den Atayaa dann endlich, hat er eine dunkelbraune Farbe. Er gießt ihn wieder kunstvoll von weit oben in die beiden Gläser ein und bietet ihn zweien aus der Runde an. Niemals trinkt der Brauer seinen Atayaa zuerst. In der kleinen Kanne ist nicht mehr Tee als für vier Gläser. Doch die Teeblätter können bis zu drei Mal aufgekocht werden. Meistens übernimmt den zweiten und dritten Aufguss dann ein Nächster. Er wird dann von Mal zu Mal milder.

Es heißt, der erste Aufguss sei bitter wie der Tod, der zweite lieblich wie das Leben und der dritte süß wie die Liebe.

Frühstück in Manjai

Sucht man in Manjai Frühstück, gibt es einen geeigneten Fleck dafür. An der Hauptstraße, einer der wenigen geteerten Straßen arbeiten Maler und gegenüber ist ein „Beauty Salon“. Auf der Straße fahren Autos und Eselkutschen oder Schafherden werden hinübergetrieben. Hier liegt auch das kleine Büdchen von Rasta und Aida. Eigentlich heißt Rasta anders, hat seinen Spitznamen aber wegen seiner Haare. Die beiden betreiben die aus Holzlatten gezimmerte Hütte mit Wellblechdach zu zweit. Geschmückt ist sie mit einer orangen Party-Girlande. Neben Fliegen sammeln sich dort jeden Morgen auch viele Leute, um ihr gewohntes Sandwich, einen Salat, schwarzen Tee oder Kaffee zu sich zu nehmen. Jeder, der sich hier kennt nennt sich „Brother“, was zuerst den Eindruck erweckt, Rasta hätte eine unglaublich große Familie. Der Kaffee wird gemischt aus Kaffeepulver, Wasser und einer gelblichen, dickflüssigen „Zuckermischung auf der Basis von Milch“. So steht es auf der Dose. Schmeckt auch so. In Plastikeimern bewahren sie Butter, Mayonnaise und Senf auf. Eier, Gurken, Salat und Tomaten liegen auf einer großen Holzplatte im Schatten vom Wellblechdach. Für 50 Dalasi (umgerechnet etwa 1€) bekommt man ein ganzes Tappalappa mit 2 Eiern als Omelett, Zwiebeln und Ketchup. Tappalappa ist Weißbrot, das dem Baguette ähnelt. Auf einem kleinen Gaskocher bereitet Rasta in der Pfanne das Omelett zu. Das fertige Omelett legt er ins Brot, wickelt es in Zeitungspapier, das einen schwedischem Aufdruck hat und packt es in eine schwarze Plastiktüte. Zum Abschied lächeln die beiden herzlich.

Reggae

Die Musik der Afrikaner ist der Reggae. Sie spiegelt die Gelassenheit und die Lebensfreude wieder – Genießen ohne sich groß zu sorgen oder sich zu viele Gedanken zu machen. Ganz nach dem Motto „Don’t worry be happy“.

Einer von den beliebtesten Reggae-Sängern ist Sizzla, der bei seinem Konzert im International Stadium in Brikama (im Westen von Gambia) genau dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln will. Im Rahmen vom Reggae-Roots-Festival spielt er in der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 11. Mai. Dem Todestag von Bob Marley. Wie passend.

Um 23.00 Uhr spielt die erste Vorgruppe. Danach folgt die nächste Reggae-Gruppe, wobei die Meisten aus einem Animateur und einem DJ bestehen und nur Kostproben von ihren Songs bieten. Immerhin sorgen sie für Stimmung.

Die Ränge auf der Längsseite des Stadions füllen sich langsam und vor der Bühne drängen sich Afrikaner mit und ohne Rastalocken, die meisten sind gekleidet in den Farben der jamaikanischen Flagge. Mit der Zeit hüllt sich die Menge in eine Rauchwolke mit dem penetranten Geruch von Marihuana.

Alle sind gut drauf, tanzen, springen und warten auf Sizzla. Der lässt lange auf sich warten. Als er dann endlich um 4.00 Uhr morgens die Bühne betritt, wird er gefeiert wie der Präsident. Die riesige Menschentraube stürmt nach vorne und wird nur noch von den Absperrzäunen und den Sicherheitsleuten von der Bühne ferngehalten.

Harte Beats wummern durch die Boxen und Sizzla, der Mann mit dem weißen Gewand und dem hohen weißen Turban um seine Rastalocken bringt die Menge mit seiner Energie zum Ausrasten. Das ist eher Dance Hall als entspannter Reggae. Er schreit mehr ins Mikrofon, als dass er singt. Und die Menge schreit zurück.

Vom Text ist kein Wort zu verstehen, aber daran stört sich keiner. Die erste Reihe ist nun schon seit 4 Stunden high und lässt sich nicht daran hindern, alles und jeden in den ausartenden Tanz mitzureißen. Auch die Sicherheitsleute werden nicht verschont. Sie tragen schwarze Helme mit Visier, sind mit Schlagstöcken bewaffnet und versuchen die Leute von der Bühne fern zu halten. Einer der Sicherheitsleute schlägt mit seinem Stock auf einen in der ersten Reihe ein, der die Absperrung nicht akzeptieren möchte. Mitten im Lied bricht Sizzla ab und schreit ins Mikro: „Eeeeeeeeeeeeey!“ Er beugt sich von der Bühne, reißt dem Sicherheitsmann den Schlagstock aus der Hand und schleudert ihn wütend hinter sich auf die Bühne. Die Band setzt wieder ein. „Remove the borders!“, schreit der Jamaikaner ins Mikro, während er alle Körperteile schüttelt die er hat.

Die bewaffneten Männer schieben die Absperrzäune weg und können sich grade noch so vor der anrollende Welle von Fans retten. „Africa is one country! Brothers and sisters! Raise your hands for freedom for all Africans!” Zustimmendes Geschrei ertönt und die Hände werden in die Höhe gerissen. Dann geht die Party weiter.

Doch nicht sehr lange. Pünktlich um 4.35 Uhr flackern auf einmal die Lampen über der Tribüne und dann ist es schlagartig stockduster. Die laute Musik verstummt. Stromausfall. Nichts geht mehr. Nur noch die Handydisplays aus dem Publikum leuchten. Genau wie der beeindruckende Sternenhimmel über ihnen.

Das passiert anscheinend öfter mal. Bis der Strom wieder geht dauert es allerdings ein paar Stunden. Das scheinen die meisten zu wissen und verlassen empört aber ziemlich zügig das Gelände. Auch auf der Bühne wird schleunig abgebaut und mit Taschenlampen wird der in weiß gehüllte Sizzla schnell in seine schwarze Limousine gebracht.

Zum Mittagessen eine Kuh

Eine Kuh. Sieben Männer. Drei Macheten.

Wer, wie in Gambia die Kühe vor der Haustür stehen hat, braucht keinen Supermarkt um sein Fleisch einzukaufen. Das nationale Gericht in Gambia besteht aus dem, was auf dem Land angebaut wird – Reis, Mais und Erdnüssen. Außerdem gibt es genügend Kühe und Fisch in der Gegend. Heute gibt es zum Mittagessen in der Vor- und Grundschule in Jahaly für mehr als 600 Schüler Reis mit Fleisch. Manchmal gibt es auch Reis mit Fisch. Und Erdnusssauce. Aber heute gibt es Reis mit Fleisch.

Auf dem Schulhof der Primary School in Jahaly steht eine Kuh. Sie ist mit einem Seil nah an den großen Baum gebunden, in dessen Schatten sie steht. Um sie herum spielt eine Gruppe von Jungs in grüner Schuluniform Fußball. Als ich die Kuh bemerke, kommentiert die Schulleiterin sie nur mit „Ah, that’s lunch“.

An einer Treppenstufe aus Stein wetzt ein Lehrer seine Machete, bis sie scharf ist. Dann bindet er die Kuh ab und führt sie abseits der Kinder auf eine staubige Fläche des Schulhofs. Ein Esel steht unter einem Baum und regt sich träge. Ein anderer Lehrer fegt mit einem Büschel aus Ästen die umherliegenden Dornen weg, sodass eine freie Fläche entsteht. Hier soll die Kuh gleich in der knallenden Mittagssonne geschlachtet werden. Dann binden sie mit dem Seil ihre Vorder- und Hinterbeine zusammen und ein Dritter hält sie an den Hörnern. Das gefällt der Kuh nicht, deshalb braucht es drei Anläufe und vier weitere Männer, bis das Tier endlich auf dem Rücken liegt und sich nicht mehr bewegt.

Ihre Augen sind weit aufgerissen als der Mann die Machete an ihren Hals ansetzt. Auf einmal schneidet er einfach drauf los. Mit einem kräftigen Druck bewegt er die Machete hin und her. Sie durchtrennt das Fell, die Haut, die Sehnen, ist aber nicht scharf genug um den Kopf einfach abzuschlagen. Die Kuh gibt einen Schrei von sich. Ohne abzusetzen durchtrennt er nun auch den Knochen im Hals. Es knackt laut, als der Knochen auseinandersplittert. Das dickflüssige Blut blubbert, spritzt und fließt aus der Schnittstelle heraus. Der durchtrennte Knochen steht nun aus dem Kopf der Kuh heraus. Ihre Augen bewegen sich nicht mehr. So lassen die Männer die Kuh nun erstmal liegen. Immer mehr Blut läuft über den Boden, der sich um das tote Tier herum rot färbt. Das tote Tier? Die Kuh strampelt mit den Beinen und zuckt jedes Mal wenn ein weiterer Schwall Blut aus ihrem Hals entrinnt. „No worry, she’s dead“, versichert mir der Mann, der ihr die Kehle aufgeschnitten hat und taucht die blutverschmierte Machete in einen Eimer mit Wasser.

Als die Kuh sich tatsächlich nicht mehr bewegt, hackt ein Anderer mit einer Axt eine Kerbe in den harten Boden, in die sie die Kuh rücklings legen. Ihre Fesseln werden entfernt und nun machen sich sieben Männer mit großen und kleinen Messern über den toten Körper her. Wie Aasgeier über einen Kadaver in der Savanne. Nur gekonnter.

Zuerst wird das Fell abgetrennt. Ein länglicher Schnitt entlang des Bauches und dann entlang der Sehnen, sodass das typische Kuhfell-Muster entsteht, dass sich manche Leute als Deko auf den Wohnzimmerboden legen. Der Schwanz und die Hufe werden abgesägt. Hier gibt es nichts zu holen. Die fliegen in den Staub. Gekonnt trennen die sieben Männer das offenliegende Fleisch von den Knochen und schneiden es in passende Stücke. Die vier Keulen und die Rippchen landen in einem Plastikeimer. Auf dem Brustkorb wird mehrfach rumgehackt, bis die Knochen auseinander brechen. Die Männer schwitzen. Mit ihren bloßen Händen (sie tragen keine Handschuhe) wühlen sie in der Kuh oder das was noch davon übrig ist herum. Ein Schnitt in den Bauch lässt die Organe herauspurzeln. Der meterlange Darm und alles was sich sonst noch so in einer Kuh befindet, entblößt sich auf zwei Wellbleche, die neben der Kuhhaut als Unterlage dienen.

Die ganze Angelegenheit ist sehr blutig und sehr schmutzig. Staub wirbelt bei jeder Bewegung der Männer auf und der Fleisch-Eimer steht in der prallen Sonne. Auch Fliegen interessieren sich für den toten Körper. Ein paar kleine Kinder bleiben im Vorbeigehen stehen, gehen dann aber weiter. Sie sind den Anblick scheinbar gewohnt.

Es wird fast nichts weggeschmissen. Vor allem das Herz nicht. Der Pansen der Kuh wird beiseite getragen, aufgeschnitten und heraus purzelt, naja, ziemlich viel Verdautes. Mit den bloßen Händen und total hemmungslos entleert ein Mann den Magen und wäscht ihn aus.

Zwischendurch klingelt das Handy eines Mannes. Er unterbricht seine Arbeit für einen Moment, geht dran und plaudert heiter. Dann steckt er das Handy wieder in die Hosentasche und gräbt weiter in den Innereien herum. Die Stimmung ist allgemein sehr gut bei den Schlachtern. Lehrern. Sie unterhalten sich während ihrer Arbeit auf Mandinka und lachen. Warum auch nicht. Sie bereiten ihr Mittagessen zu. Wie jeden Tag.

Als fast kein Fleisch mehr auf der Kuhhaut liegt, werden zuletzt auch noch die Bäckchen vom Kopf getrennt. Dabei entblößen sich Schädel und Zahnreihen des Rindes. Dann wird die Kuhhaut in den Schatten gezogen und die kleineren Fleischteile werden in ordentliche Haufen sortiert. Die Vorschule bekommt einen Eimer voll Fleisch und die Grundschule einen. Die Schulleiterin trägt ihn auf dem Kopf über die Straße zur Vorschule und bringt ihn zur Feuerstelle.

Um 12.00 Uhr ist das Mittagessen angerichtet. Die Kinder stellen sich in einer langen Schlange auf und bekommen jeder einen Teller voll Reis mit ein paar Fleischwürfeln. Und es schmeckt. Die Kuh hat alle Schüler und ihre Lehrer satt gemacht.